Segelfalter - das Buch über einen Nachtodkontakt

Die  Intensivtherapie

Ihre Wurzeln  liegen in der Anästhesie, der Wissenschaft von der Narkose. Als Gründungsvater gilt der Däne Björn Ibsen, der 1953 die erste Intensivstation in Kopenhagen eröffnete. Er revolutionierte während der damaligen Kinderlähmungsepidemie die Langzeitbeatmung. Nach Ibsen konnten Zustände überlebt werden, die vor ihm mit Sicherheit zum Tode geführt hätten.

Die Krise eines Schwerkranken ist zumeist durch eine lebensbedrohliche Störung wichtiger Organfunktionen begründet. Mithilfe von Maschinen, engmaschiger Überwachung und Medikamenten kann ein kritischer Zustand häufig überwunden werden. 

Was kann die Intensivtherapie?

Sie kann viel! Sie kann lebensnotwendige Funktionen wie die Atmung, den Kreislauf, die Nierenfunktion usw. aufrechterhalten. Sie kann Organfunktionen unterstützen und z.T. auch ersetzen. Sie hilft dabei, extrem schmerzhafte Zustände wie Verbrennungen und Mehrfachverletzungen aushalten zu können. Da die Intensivtherapie selbst recht belastend ist, werden die Kranken ab einem gewissen Punkt in ein "künstliches Koma" versetzt. Das ist eine Art Tiefschlaf. Das Bewusstsein wird ausgeschaltet und Schmerzen werden nicht wahrgenommen.

Die Intensivtherapie bietet viele Möglichkeiten, hat  aber auch ihre Grenzen. Nach wie vor ist und bleibt der Mensch endlich. Wir müssen immer noch alle sterben. Die Intensivtherapie kann  den Tod nicht verhindern, sie kann ihn lediglich herauszögern. Deshalb ist zwischen ihren Chancen und ihren Risiken tagtäglich und in jeder Situation aufs Neue abzuwägen. Das ist wichtig, denn die medizinischen Möglichkeiten haben das, was gemeinhin als sinnvoll und human angesehen wird, bei weitem hinter sich gelassen!

Ich persönlich möchte deshalb im Krankheitsfall selbst entscheiden, welche Therapien ich zulasse. Ich möchte nicht überleben um jeden Preis, demzufolge auch nicht alle Möglichkeiten der Intensivmedizin voll ausschöpfen.

Lieber will ich ohne aggressive Therapien, dafür aber mit den entsprechenden Medikamenten, mein Leben in Ruhe zu Ende leben. Und wenn es dann für mich an der Zeit ist, auf die andere Seite zu gehen, freue ich mich schon darauf, all diejenigen wiederzusehen, die mich dort erwarten werden. Davon bin ich überzeugt.

 

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